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Anfragen an Facebook im Verhältnis zur Einwohnerzahl

Meine Kollegin Angelika hat mich mit ihrem Tweet darauf  gebracht:

Facebook hat also Daten veröffentlicht, in der das Unternehmen die Anzahl von Kontoanfragen von Seiten der Regierungen aufzeigt. Eine naheliegende Vermutung wäre, dass bevölkerungsreiche Länder mehr Anfragen stellen — da es mehr Einwohner gibt, über die man Informationen haben könnte — und bevölkerungsarme Länder weniger.

Also habe ich die Zahl der Anfragen ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der Länder gesetzt (Google Tabelle mit den Daten). Das Ergebnis hat ich dann durch den Datawrapper gejagt und einfach als Balkendiagramm anzeigen lassen.

Und das Ergebnis: Die Einwohnerzahl spielt nur eine kleine Rolle bei der Frage, ob in einem Land viel oder wenig Regierungsanfragen an Facebook gestellt werden. Absoluter Spitzenreiter ist das kleine Malta mit gut 410 000 Einwohnern und dabei 97 Anfragen im ersten Halbjahr 2013 gestellt haben. Damit käme Malta auf 214 Anfragen pro (rechnerische) Millionen Einwohner, Deutschland zum Beispiel auf 23 Anfragen pro Millionen.

Dirk hat bei Google+ noch angeregt, auch die Zahl der Facebook-Nutzer pro Land einzubeziehen. Das habe ich jetzt auch noch gemacht. Quelle für die Nutzerzahlen war die Statistik vom Juni 2013 bei allfacebook.com, außer die Elfenbeinküste, deren Zahl ich von Facebook habe.

diagramm1 (1)

Zielgenaue Werbung bei Facebook – eine Illusion

Noch hat Facebook den Ruf, das El Dorado der zielgenauen Werbung zu sein. Die Nutzer füttern das soziale Netzwerk mit ihren persönlichen Daten — Alter, Geschlecht, Wohnort, Beziehungsstatus, Interessen und so weiter. Und die Firmen können bei Facebook ganz leicht Werbung genau für die von ihnen gewünschte Zielgruppe platzieren — zum Beispiel junge Frauen zwischen 15 und 17 Jahren oder alleinstehende Männer über 65 Jahren.

Die Zielgruppe kann sich die Firma zusammenklicken, es wird auch angezeigt, wie viele Facebook-Nutzer mit dieser Werbung erreicht werden können – wie simpel und praktisch. So wird mir angezeigt, dass ich in meiner Heimatstadt Würzburg zum Beispiel diese Zielgruppe erreichen:

13 360 Personen

  • die in Deutschland leben
  • die in Würzburg wohnen
  • die genau zwischen 15 und 17 Jahre alt sind
Toll, was heutzutage alles geht — 13360 Jugendliche in Würzburg erreichen. Die Freude darüber wird leider durch die harte Wirklichkeit getrübt — laut Bayerischem Landesamt für Statistik gibt es in Würzburg nur 2671 Menschen in dieser Altersgruppe.  Im besten Fall existieren also nur 20 Prozent der angegebenen Facebook-Nutzer mit diesen persönlichen Daten wirklich. Und in anderen Altersstufen sieht es nicht besser aus — erst ab den Gruppen 50 Jahre oder älter  ist die Zahl der Facebook-Nutzer kleiner als die der tatsächliche Einwohnerzahl in diesen Gruppen und könnte damit zumindest möglich.
Die statistischen Daten für das Beispiel Würzburg findet man in dieser Google-Tabelle und sind auch hier als Balkendiagramm dargestellt:
Diagramm - Einwohnerzahl und angebliche Facebooknutzer in Würzburg

Warum könnte das so sein?

  • Nutzer könnten ihr Alter falsch angegeben haben.
  • Firmen, Organisationen, Künstler, Bands, Vereine, etc haben sich bei Facebook als Person mit einem fikitven Alter angemeldet und nicht als Facebook-Seite.

Was ist die Konsequenz daraus?

Facebook-Werbung ist bei Weitem nicht so zielgenau ist, wie es Facebook oder Werbeagenturen gerne hätten — weil die Daten nicht immer die Qualität haben. Denn im gezeigten Beispiel stimmt zumindest die Altersangabe nicht und man wird schon misstrauisch, ob die restlichen Angaben — Geschlecht, Interessen, Wohnort — korrekt sind. Werbung über solche feinen Kriterien — sogenanntes Targeting — würde ich im Gegensatz zu anderen nicht empfehlen.  Zur zielgenaueren Werbung will Facebook nun weitere Daten und auch das Surfverhalten der Facebook-Nutzer zur Verbesserung  verwenden — Datenschützer sind darüber nicht amüsiert.
Update:
Jetzt habe ich auch den Hilfe-Eintrag bei Facebook gefunden, den ich gesucht habe: Facebook gibt zu, dass die Nutzerzahlen nur Schätzungen sind — aber wenn die Abweichungen dermaßen groß sind, ist das für mich schon nicht mehr geschätzt, sondern geraten.