Der monatliche Instagram-Ausgleich bei Flattr

Das Ende eines Monats ist da, und damit ist es für mich wieder lästige Pflicht, mich um meinen Flattr-Account zu kümmern.

Ich bin von dem Micropayment-Dienst Flattr grundsätzlich sehr angetan. Selten wird es mit im Netz so leicht gemacht, Inhalte und Projekte wenigstens mit kleinen Geldsummen zu unterstützen. Blogbeiträge lasse ich durch einen Klick auf den Flatter-Button des Beitrags (sofern vorhanden) eine Anerkennung zukommen, bei Podcasts vor allem durch Podkicker, meine Podcast-App auf meinem Android-Smartphone, die auch automatisch flattern kann.

Meinen Flattr-Account habe ich mit etlichen Plattformen im Netz verbunden — Flickr, 500px, App.net, Soundcloud, Github und auch Instagram. Wenn ich nun bei Flickr, 500px oder Instagram ein Bild favorisiere — mit Sternchen oder Herzchen –, dann bekommt der, der das Bild hochgeladen hat, auch einen Teil meines monatlichen Flattr-Kuchens (sofern er bei Flattr angemeldet ist natürlich). Dieser Flattr-Kuchen — bei mir im Monat zwischen drei und fünf Euro — wird einfach unter den von mir geflatterten Inhalten gleich aufgeteilt, unabhängig ihrer Herkunft.

Und da beginnt für mich ein kleines Problem. Gerade bei Instagram vergebe ich recht leicht, unbeschwert, schnell und oft ein „Gefällt mir“-Herz. Wenn ich nun am Ende des Monats sehe, dass ich zum Beispiel 8 Instagram-Bilder geflattert habe, einen Drei-Stunden-Podcast und einen toll recherchierten Blogbeitrag, dann gehen von meinen 5 Euro an die Instagram-Nutzer 4 Euro und an den Podcast und das Blog jeweils 50 Cent. Wenn ich mir nun die gefühlte Wertigkeit der Inhalte anschaue — meist schnell geknipste und durch vorgefertigte Filter veränderte Bilder auf der einen Seite und mit viel Mühe und Zeit erstellte Texte oder Podcasts auf der anderen Seite –, dann erscheint mir das etwas ungerecht.

Schön fände ich es, wenn man bei Flatter an die einzelnen Dienste noch einen persönlichen Wertigkeitsfaktor vergeben könnte. Dann könnte ich angeben, Instagram-Bilder nur mit 50 Prozent zu werten. Im obigen Beispiel bekäme jeder Instagramer also nur noch 25 Cent, dafür an den Blogger und Podcaster jeweils 1,50 Euro. Fände ich fairer.

So sitze ich aber am Ende eines jeden Monats da und klicke bei Blogs, Podcasts und Projekten alle möglichen Flattr-Inhalte an, damit sich der Anteil für den Flatter-Nutzer erhöht — um gegen Instagram zu bestehen zu können! 😉

C3S ist als T-Shirt sehr anziehend

Im August habe ich das Crowdfunding-Projekt der Cultural Commons Collecting Society (C3S) mit 35 Euro unterstützt. Vorgestern wurden die Crowdfunding-Shirts  in Köln eingepackt …

… und heute schon eines davon in meinem Briefkasten. Sehr schick! Cooles weißes C3S-Logo auf einem wunderschönem Blau — genau meine Farbe.

Jetzt heißt es sich in Geduld üben, Ende 2015 wird die C3S den Antrag auf Zulassung als Verwertungsgesellschaft beim Deutschen Patent- und Markenamt einreichen und wenn der Antrag durch ist, kann die C3S auch aktiv als Alternative zur GEMA tätig werden. Ich hoffe, ich passe bis dahin noch in das XL-Shirt … 😉

C3S-Shirt
Das C3S-Shirt in wunderschönem Blau
C3S-Shirt
Und schlank und gute Laune macht es auch! 😉

Anfragen an Facebook im Verhältnis zur Einwohnerzahl

Meine Kollegin Angelika hat mich mit ihrem Tweet darauf  gebracht:

Facebook hat also Daten veröffentlicht, in der das Unternehmen die Anzahl von Kontoanfragen von Seiten der Regierungen aufzeigt. Eine naheliegende Vermutung wäre, dass bevölkerungsreiche Länder mehr Anfragen stellen — da es mehr Einwohner gibt, über die man Informationen haben könnte — und bevölkerungsarme Länder weniger.

Also habe ich die Zahl der Anfragen ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der Länder gesetzt (Google Tabelle mit den Daten). Das Ergebnis hat ich dann durch den Datawrapper gejagt und einfach als Balkendiagramm anzeigen lassen.

Und das Ergebnis: Die Einwohnerzahl spielt nur eine kleine Rolle bei der Frage, ob in einem Land viel oder wenig Regierungsanfragen an Facebook gestellt werden. Absoluter Spitzenreiter ist das kleine Malta mit gut 410 000 Einwohnern und dabei 97 Anfragen im ersten Halbjahr 2013 gestellt haben. Damit käme Malta auf 214 Anfragen pro (rechnerische) Millionen Einwohner, Deutschland zum Beispiel auf 23 Anfragen pro Millionen.

Dirk hat bei Google+ noch angeregt, auch die Zahl der Facebook-Nutzer pro Land einzubeziehen. Das habe ich jetzt auch noch gemacht. Quelle für die Nutzerzahlen war die Statistik vom Juni 2013 bei allfacebook.com, außer die Elfenbeinküste, deren Zahl ich von Facebook habe.

Was vor zwei Jahren pro Minute im Internet passierte

Chiphersteller Intel hat jetzt, 13. März 2013, auf seinem Blog eine Grafik veröffentlicht, die zeigt, was in einer Minute im Internet so passiert. Im Text und Bild klingt das alles so, als wären die Zahlen relativ aktuell. CHIP Online, die Huffington Post, die Washington Post oder Der Standard haben sich sofort auf die Geschichte gestürzt — leider ohne weitere Recherche.

Denn ich wurde gleich beim Betrachten der Infofgrafik stutzig: Bei YouTube werden pro Minute 30 Stunden Videomaterial hochgeladen? Die Zahl kam mir deshalb so bekannt vor, weil ich sie in einem Workshop verwendet habe — einschließlich der gesamten Grafik. Und das ist etwa zwei Jahre her?

Und tatsächlich: Die offizielle Zahl von YouTube ist mittlerweile auf 72 Stunden/Minute gestiegen, auf einem Diagramm im Youtube-Blog kann man abschätzen, dass die 30 Stunden etwa Mitte 2011 erreicht worden sein dürften. Und auch die 639 800 Gigabyte an weltweitem IP-Traffic dürften nach einer Cisco-Statistik ebenfalls im Jahr 2011 ungefähr geflossen sein.

Wenn man weiter recherchiert, findet man genau diese Grafik bei Flickr — von Intel im Dezember 2011 hochgeladen.

Eine Schande für Intel, diese Grafik nochmal als aktuell zu verkaufen. Und eine Schande für alle Medien, das mal ungeprüft zu übernehmen.
Internet Minute Infographic

Ingress – Allein in der Stadt voll exotischer Materie

Am 18. November begann Google den begrenzten Beta-Test ihres Augmented-Reality-Spiels „Ingress“ für Android-Smartphones. Das Spiel ähnelt von der Grundidee her dem  Geocaching, eingebettet in eine Science-Fiction-Story. Die Eckdaten der Hintergrundgeschichte sind schnell erzählt:

Ein Screenshot von Portalen bei Ingress
Drei unverbundene Portale rund um den Brunnen im Hofgarten der Residenz

Forscher entdeckten eine exotische Materie, XM abgekürzt. Außerirdische namens „Shapers“ haben Kontakt zur Menschheit aufgenommen. Die Menschen teilt sich in zwei Gruppen auf: Diejenigen, welche eine Allianz mit den Shaper eingegen wollen („Enlightened„) und der Widerstand gegen die Außerirdischen („Resistance„). Die beiden Gruppen bekämpfen sich, indem sie die Kräfte der exotischen Materie nutzen. Die Entwicklung der Hintergrundgeschichte wird auf der Webseite des Niantic-Projekts oder im Wiki dokumentiert.

Noch bietet Ingress keinen öffentlichen Zugang, es wird von einer geschlossenen Benutzergruppe getestet (Closed Beta). Ich hatte aber das Glück, schon relativ bald einen Invite, eine Einladung, zubekommen. Anmelden für eine Einladung kann man sich auf der Ingress-Webseite

Ich habe mich der Enlightened-Gruppe angeschlossen — Resistance macht irgendwie jeder. Die App, die es im Moment nur für Android-Geräte gibt, dient mir als Scanner und Manipulator für Exotische Materie. Die Spiele-App zeigt eine Straßen- und Wegekarte meine Umgebung an, nicht ausführlich und optisch recht reduziert. Kleine Leuchtpunkte auf der Karte zeigen Vorkommen von XM an, die ich einsammeln kann, indem ich mich ihnen mindesten auf 30 Meter nähere.

Nach dem Hack eines Portals können mit etwas Glück Gegenstände gefunden werden.

Sammelleidenschaft

So läuft man also, das Smartphone mit Ingress ständig vor Augen, erst mal durch die Straßen und sammelt Exotische Materie ein. Irgendwann — hoffentlich — sieht man auf der Karte eine Art weißes Feuer flackern. Das ist ein Portal. Wenn man sich dem Portal wieder auf etwa 30 Meter genähert hat, kann man das Portal „hacken“. Durch das Hacken hat man die Chance, Gegenstände zu finden. Wichtig sind die Resonatoren verschiedener Stufe und Portal-Schlüssel.

Portale und Felder bei Ingress

Mit den Resonatoren bringt man das Portal in Besitz seiner Gruppierung. Sobald man in das Portal acht Resonatoren eingebaut hat, kann man es mit einem anderen Portal verbinden — sofern man den passenden Schlüssel für das gewünschte Zielportal hat. Wie weit das Zielportal entfernt sein darf, hängt von der Gesamtstufe der verbauten Resonatoren ab.

Zwei Felder sind durch Links zwischen Portalen entstanden.

Bei acht Resonatoren der Stufe 8 — das bisherige Maximum — darf das Ziel 655 Kilometer weit weg sein, doch am Anfang hat das Portal eine Reichweite von 160 Metern, in der englischen Wikipedia gibt es eine Liste dazu. Hat man drei Portale durch einen „Link“ miteinander verbunden, so entsteht in diesem Dreieck ein Energiefeld. Mit diesem Feld bringt man im Spiel die Bevölkerung in diesem Bereich unter Kontrolle der jeweiligen Gruppierung.
Je nach Dichte der Bevölkerung, die innerhalb der entstandenen Fläche leben, erhält die eigene Gruppierung mehr oder weniger Punkte, sogenannte Mind Units. Meine verlinkten Portale im Hofgarten der Würzburger Residenz bringen also nur sehr wenige Punkte. 🙂

Die Resonatoren der Portale verlieren jeden Tag etwas 10 Prozent ihrer Energie. Um zu verhindern, dass man ein Portal durch Energieverlust wieder verliert, muss man sie regelmäßig wieder aufladen. Das kann man auch weit entfernt machen, doch ist das je nach Entfernung weniger effizient und kostet mehr Exotische Materie.

 Der Kampf

In Würzburg bin ich diesem Zeitpunkt scheinbar noch der einzige Ingress-Spieler. Daher kenne ich den Wettkampf mit anderen Spielern nur aus der Theorie. Aber Portale können mit der entsprechenden Ausrüstung, den XMP-Burstern, und Einsatz von Exotischer Materie übernommen werden. Ich werde einen Erfahrungsbericht schreiben, falls endlich weitere Mitspieler in Würzburg zu finden sind oder ich mal in einer anderen Stadt bin.

Portale erzeugen

Die Ingress-App hängt sich als „NIA Super Ops“ in das Teilen-Menü von Android.

Zu jedem Portal gehört ein Bild des Orts. Zu Beginn bedient sich Google bei der hauseigenen Plattform für geocodierte Bilder, Panoramio. Allerdings wird nicht ganz Panoramio eingebunden, sondern nur ein winziger Teil der Bilder werden bei Ingress hergenommen, um ein Portal zu bilden. Doch die Nutzer können selbst geocodierte Bilder einreichen, die laut Hilfeseite innerhalb von zwei bis drei Wochen überprüft werden und für ein neues Portal verwendet werden sollten. Das Bild kann man über den „NIA Super Ops“-Eintrag auf dem Smartphone teilen, letztlich wird aber nur eine Mail an super-ops@google.com mit dem Bild als Anhang geschrieben wird.

Datensammeln für Google?

Ingress ist ein Spiel von Google und die App ist ständig mit den Google-Servern in Verbindung, um Positionen und Zustände der Portale und Felder zu synchronisieren. Dabei muss natürlich auch die Position des Handy — und desjenigen, der es in der Hand hält — an Google übermittelt werden. Und da darf sich natürlich fragen, ob das Unternehmen diese Daten nicht auch außerhalb des Spiels verwendet. Zum Beispiel um ihre Kartendaten und die Navigation für Fußgänger zu verbessern. Oder um zu sehen, welche Wege die Spieler in der Stadt nehmen und auch wo — vor oder in welchen Geschäften? — sie stehenbleiben. Google wäre dumm, wenn es diesen Datenschatz nicht nutzen würde. Man kann auch nur darüber spekulieren, ob Google dieses Spiel entwickelt hat, die die Nutzer für sich kostenlos arbeiten zu lassen.

Fazit

Auch wenn ich mangels Gegenspielern bisher nur den Teil von Ingress kenne, der sich um das XM-Sammeln und das Verlinken von Portalen beschäftigt — die weltweite Enlightment-Bewegung wird es mir trotzdem danken 😉 –, so fasziniert mich das Spiel doch schon ein wenig. Die Grafik der App hat einen eigenen Science-Fiction-Film-Charme, die Bedienung ist recht simpel. Für echte Geocacher ist die Herausforderung eher gering, aber ich kann mir vorstellen, dass es Spaß machen kann, sich gegenseitig die Portale abzujagen — genügend Mitspieler vorausgesetzt. Und man kommt mal an die frische Luft! 🙂

Die Hintergrundgeschichte ist für das Spiel an sich nicht wichtig, gibt dem Ganzen aber noch einen besonderen Pfiff. Manchmal findet man bei einem Portal-Hack Documente, die Puzzelstücke der Ingress-Geschichte sind.

Es gibt aber auch einen negativen Punkt, wobei das auch dem Beta-Status von Ingress  geschuldet sein könnten: Die App ist ein Akku-Killer. Nach einer Stunde war nur noch halb soviel Saft in meinem Samsung Galaxy II. Klar, das Display ist oft und lange an und GPS läuft auch ständig. Für längere Eroberungsrunden sollte man das Ladegerät dabei haben und Pausen für die Stromversorgung einplanen.

Datenjournalismus und die bunte Google-Welt in Hamburg

Datenjournalismus — zumindest in Deutschland eine relativ neue Form des Journalismus und auf jeden Fall immer gefragter. Mit Daten Geschichten erzählen, ist eine Kunst für sich. Man muss sich oft durch trockene Zahlenwüsten kämpfen, muss Computerprogramme schreiben, um an die Daten zu kommen und sie in eine brauchbare Form zu biegen. Die Daten müssen journalistisch überprüft werden, der Datenjournalist sollte sich mit Datenformaten auskennen und im Idealfall sie auch noch ästhetisch und benutzbar visualisieren können. Ein unter Umständen komplexer, aber unter Umständen sehr interessanter Beruf.

Um unser Wissen in Sachen Datenjournalismus zu verbessern, waren mein Kollege von der Main-Post und ich  in der letzten Woche an der Akademie für Publizistik in Hamburg beim Seminar „Datenjournalismus II“. Dozenten waren Michael Kreil und Lorenz Matzat, beide von OpenDataCity und beide Mitgewinner des Grimme Online Awards 2011 für ihre datenjournalistische Arbeit zur Vorratsdatenspeicherung für Zeit Online anhand der Handy-Positionsdaten des Grünen-Politikers Malte Spitz. Die Jungs wissen also wirklich, was sie tun! 🙂

Zwei Tage lang durften wir im Seminar an einem konkreten Fallbeispiel arbeiten. Wir wollten die Messdaten der Pegel aller Flüsse in Deutschland automatisch auslesen und diese auf einer Karte visualisieren. Dazu gab es Übungen zur Datenrecherche,  im Säubern von Daten mit Excel bzw. LibreOffice oder im Texteditor per regulären Ausdrücken, Einführung in das ScraperWiki und ich habe zum ersten Mal etwas von den sehr lästigen Gauß-Krüger-Koordinaten gehört, mit denen die Pegel auf der Originalkarte leider geocodiert wurden.

Ich muss leider gestehen, dass ich — mit zehn Jahren Webentwicklung und -design auf dem Buckel — nicht sonderlich gefordert wurde. Am meisten noch mit der Tastaturbelegung am MacBook! 😉

Überhaupt habe ich die Dozenten nicht beneidet. Die Vorkenntnisse der Teilnehmer waren sehr unterschiedlich und die Erwartungen recht verschieden, die alle unter einen Hut zu bekommen war nicht einfach. Der Teil der Entwicklung der Visualisierung der Daten — ein Punkt, der mich sehr interessiert hätte — wurde leider nur kurz und nebenbei behandelt, Michael Kreil programmierte sehr schnell den Prototypen einer Anwendung mit Leaflet.

Ulrike Koeppen, eine Kollegin vom BR, hat mit mir am Seminar teilgenommen und ein kleines Storify aufgesetzt.

Datenjournalismus-Treffen und die Innenarchitektur Googles

Schön war es auch Abseits des Seminars. Am Montagabend fand ein Datenjournalismus-Treffen in Hamburg statt — in den Räumen von Google.

Schon das Treffen war interessant, coole Anwendungen wurden gezeigt, die Links stehen im Etherpad der Veranstaltung. Aber wenn man schon mal bei Google im Haus ist, darf eine Führung durch die Firmenräume nicht fehlen. Denn in Hinsicht auf die Inneneinrichtung ist ein Blick in die Büroräume schon ein Erlebnis.

Pressesprecher Stefan Keuchel von Google Deutschland wurde nicht müde zu erwähnen, dass hier auch wirklich hart gearbeitet wird, eine Tatsache, die man bei der bunten und verspielten Einrichtung vieler Gänge und Räume schon mal vergessen kann. 🙂 Ich habe eine paar Schnappschüsse von der Führung gemacht, was auf den Fotos nicht zu sehen ist: dort gibt es auch viele Räume mit Großraumbüros, die einfach wie Großraumbüros aussehen. 😉